»Bei mir bist du schejn«
Einführung
Was kann Ostjuden, Nazis, schwarze und weiße Amis und viele Andere verbinden?
Richtig, gute Musik!
Als Sholom Secunda und Jacob Jacobs eine jiddische Musikkomödie 1932 schrieben, konnten sie nicht ahnen, dass aus dem erfolgslosen Theaterstück ein Lied als internationaler Hit entstehen würde. Aus Men ken lebn nor men lost nisht („Man könnte leben, aber sie lassen uns nicht“) entstammt das bekannte Bei Mir Bistu Shein (jiddisch, etwa „Für mich bist du schön“ oder „Ich finde dich hübsch“).
Nach einer erfolglosen Saison des Stückes an dem Rolland-Theater in Brooklyn, wurde das Lied 1937 durch ein afroamerikanisches Duo im Apollo Theater in Harlem aufgeführt, und zwar in Jiddisch! Die wilde Begeisterung des Publikums führte zu Coverversionen aller großer Interpreten der Zeit. So kam das Lied in seiner englisch-deutschen (fehlerhaften!) Übersetzung auch nach Deutschland und erlangte große Popularität, bevor das NAZI-Regime feststellte, dass es jiddischen Ursprungs ist und kein süddeutscher Dialekt. Dann wurde es natürlich verbannt. Doch zum Ende des Krieges brachte man es wieder, um die Stimmung der Truppen durch beliebte Schlager hoch zu halten.
Das Lied wurde insbesondere durch die Berry Sisters in einer gejazzten Swing-Version berühmt. Einen Schritt zurück nimmt es die Schwedin Gunhild Carling für ihre Dixieland-Besetzung, die wiederum aus dem New Orleans Jazz als weiße Adaption stammte.
Die Freude des New Orleans Jazz und der nachfolgenden weißen Nachahmung „Dixieland“ („Die Südstaaten“) macht immer wieder klar, dass keine Unterdrückung den menschlichen Geist komplett brechen kann. Die inneramerikanische Einwanderung der einstigen Sklaven nach Chicago und New York verbreitete ihre Musiksprache und formte anschließend die musikalische Identität Amerikas auf dem Weg zur Eroberung der internationalen Musikszene.
Aus Minestral- und Zirkusmusik, wie auch Ragtime und Marschbänden stammend und aus viel Tanzmusik, entwickelte sich der Jazz zum „Klassik“-Status. Wie erfrischend (auch für mich), die Entdeckung der schwedischen Carling-Familie, die tatsächlich aus Zirkuskreisen stammt und mit einer gewissen „Retro“ so viel Freude verbreitet.
Freude und Freiheit auch in engen Räumen…