Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht
1. Strophe
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht.
Er fiel auf die zarten Blaublümelein,
sie sind verwelket, verdorret
2. Strophe
Ein Knabe hatte ein Mägdlein lieb,
sie flohen gar heimlich von Hause fort,
es wusst’s nicht Vater noch Mutter.
3. Strophe
Sie sind gewandert hin und her,
sie haben gehabt weder Glück noch Stern,
sie sind verdorben, gestorben.
4. Strophe
Auf ihrem Grab Blaublümlein blühn,
umschlingen sich zart wie sie im Grab,
der Reif sie nicht welket, nicht dorret.
Die wohl populärste Melodie dieses Liedes stammt von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Weniger offenkundig ist, wer den Text verfasst hat. Drei Möglichkeiten werden uns geboten: Dem Volk ist dieses poetische Stück gelungen, Heinrich Heine (1797–1856) hat die Geschichte in Verse gesetzt oder Florentin von Zuccalmaglio (1803–1869) schrieb das Gedicht der zwei unglücklichen jungen Liebenden. Die älteste Niederschrift datiert von 1825. Zuccalmaglio hatte sie in der Rheinischen Flora. Blätter für Leben, Kunst, Wissen und Verkehr, Nr. 15, vom 25.1.1825, abdrucken lassen, mit der daruntergesetzten Bemerkung: „Im Bergischen aus dem Munde des Volkes aufgeschrieben“. Der dortige Text stimmt mit dem oben zitierten:
In der Rezeptionsgeschichte des Liedes geriet Zuccalmaglio wiederholt in Verdacht, es selbst geschrieben und vertont zu haben. Weit hergeholt scheint die Vermutung nicht, beschäftigte er sich doch neben dem Sammeln auch mit Umdichtungen von Volksliedern sowie mit eigenen Gedicht- und Liedschöpfungen, die er oft ausdrücklich als „Volkslieder“ bezeichnete. Dagegen blieb Zuccalmaglio stets dabei, das Lied von den Blaublümelein sei ein wirkliches Volkslied, das er „zu Wiesdorf (Leverkusen-Wiesdorf) 1823 aus dem Munde der Frau Lützenkirchen niedergeschrieben“ habe.